Sigmar Gabriel

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SPD-Parteivorsitzender

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Sigmar Gabriel

Begrüßung und Eröffnung der Foto-Ausstellung von Jim Rakete: „Der Stand der Dinge“

Empfang anlässlich des 9. SPD-Filmabends zur Berlinale 2012

- Es gilt das gesprochene Wort -

Lieber Jim Rakete,
sehr geehrter Herr Gansel,

sehr geehrte Damen und Herren Film- und Kulturschaffende - vor allem die, die hier porträtiert wurden –

und die, welche für den später gezeigten Film verantwortlich sind,

liebe Hannelore Kraft, lieber Klaus Wowereit,

liebe Barbara Hendricks als Vorsitzende des Freundeskreises des Willy-Brandt-Hauses, der diese Fotoausstellung möglich gemacht hat,

lieber Frank-Walter Steinmeier,
meine sehr verehrten Damen und Herren!

Ich heiße Sie alle ganz herzlich willkommen im Willy-Brandt-Haus zu zwei ganz besonderen Ereignissen: zum einen zur Ausstellung des Fotografen Jim Rakete und zum anderen zum Empfang anlässlich des 9. SPD-Filmabend zur Berlinale 2012 mit der anschließenden Präsentation des Films „Die vierte Macht“ von Dennis Gansel.

Ich freue mich sehr, dass so viele gekommen sind! Und wir hoffen auf gute und anregende Gespräche rund um Ausstellung, Empfang und die Filmvorführung.

Neben der Premiere des Films „Die vierte Macht“ haben wir heute ein besonderes kulturelles Highlight hier im Willy-Brandt-Haus: die eindrucksvolle Fotoausstellung „Der Stand der Dinge“ von Jim Rakete, die zum ersten Mal vollständig über eine längere Zeit in Berlin zu sehen ist.

Dafür darf ich stellvertretend dem Deutschen Filmmuseum in Frankfurt danken, für das Jim Rakete diese Ausstellung extra konzipiert hatte.

Und ich freue mich natürlich, dass der Künstler selbst anwesend ist: Jim Rakete, ich freue mich, dass sie und Ihre Bilder hier sind!

Der glückliche Zufall will es, dass es eine Ausstellung ist, die ausnahmslos Filmschaffende zum Thema hat. Und die Porträts von diesen Filmschaffenden werden immer mit einem Gegenstand verbunden, einem Ding – das sagt ja der Titel der Ausstellung -, der für ihr Schaffen, ihre Karriere, ja vielleicht für das Leben der Porträtierten jeweils sehr wichtig war und ist.

Bei Mario Adorf ist es die Mütze, die zum einen auf seinen filmischen Durchbruch verweist, nämlich den Film „Nachts, wenn der Teufel kam“ aus dem Jahr 1957, in dem mario Adorf einen psychopathischen Frauenmörder verkörpert. Man kann die Mütze aber zugleich als Verweis auf die Herkunft des Menschen Mario Adorf interpretieren, der sich aus einfachen Verhältnissen zum internationalen Filmstar empor gearbeitet hat. Eigentlich eine ganz typische sozialdemokratische Aufsteigergeschichte.

Oder das Bild meines Freundes Hannes Jaenicke, lässig mit Cargohose und halb offenem Hemd auf der alten BMW, Blick nicht in die Kamera, aber nach vorn in die Weite gerichtet. Da Hannes Jaenicke keinen Film zu „diesem Ding“ als Interpretation bietet, vermute ich, dass der ewig junge Held „sein Ding“ ist – selbst wenn man wie wir beide über 50 ist.

Zu den 101 Porträts von Jim Rakete, zu seinen aber weit umfangreicheren Werk und über den Künstler und Menschen Jim Rakete wird Frank-Walter Steinmeier gleich in seiner Laudatio viel mehr sagen, als ich das könnte. Frank-Walter Steinmeier kennt Jim Rakete seit Jahren und ist ihm freundschaftlich verbunden.

Ich freue mich ganz besonders, lieber Frank-Walter, dass Du gleich zu uns sprechen wirst.

Lassen Sie mich zum Schluss noch zwei grundsätzliche Anmerkungen zu Foto- und Filmkunst machen, diesen beiden Künsten, die ihren Siegeszug im zwanzigsten Jahrhundert begonnen und unsere Sehgewohnheiten entscheidend verändert haben.

Die Filmkunst im dunklen Raum eines Kinos vermag in den besten Momenten Emotionen, Anteilnahme und Verhaltensänderungen auszulösen, wie es vielleicht nur noch die Musik vermag.

Bei der Kunst von Einzelfotografien ist es im Kern nicht anders. Ein wirklich meisterhaftes Foto, auch ein Porträt ist immer der Zusammenfall in einer bestimmten Situation, einer Begegnung von Künstler und Objekt, seien es Menschen, Lebewesen, Pflanzen, Landschaften, Gegenstände oder Dinge.

Der Blick für das Einmalige, das Unwiederbringliche eines bestimmten Moments zugleich mit dem, was daran weit über den Tag und den Augenblick hinaus spricht – das zeichnet einen wirklichen Fotokünstler aus. Und, lieber Herr Rakete, Sie sind ein solcher!

Dieser Abend ist für uns als SPD aber mehr als nur eine Ausstellungseröffnung mit einem anschließenden Filmabend. Er ist Dank und Anerkennung der Sozialdemokratie an einen relevanten Teil unserer Gesellschaft: nämlich der zeitgenössischen Kultur. Und deshalb freue ich mich sehr, dass so viele heute Abend hier her gekommen sind.

Für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten sind Politik und Kultur von jeher nah beieinander.

Und dabei sage ich sehr deutlich: Es geht ausdrücklich nicht um Parteipolitik, sondern um die Verständigung über Gemeinsamkeiten von Sozialdemokratie und vielen Kulturschaffenden, nämlich dem Bekenntnis und Engagement, in deren Mittelpunkt der Einsatz für Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit und Humanität steht. I

Ich bin sicher: Dass eint alle, die hier heute Abend anwesend sind.

Lassen Sie mich abschließend noch zwei Anmerkungen zu zwei aktuellen Entwicklungen und Themen machen: zum einen zu dem geplanten internationalen Urheberrechts-Abkommen ACTA, zum anderen zum Antrag der SPD-Bundestagsfraktion, den wir letzte Woche in den Deutschen Bundestag eingebracht haben, um die Voraussetzungen für den Bezug von ALG I von Kulturschaffenden zu erleichtern.

Die Europäische Urheberrechtsinitiative hat vor allem in der Internet-Community für viel Aufregung gesorgt. Die Art des Zustandekommens dieser Initiative – quasi als Projekt hinter sehr verschlossenen Türen – und ein wirklich gewaltiges Misstrauen gegenüber staatlichen Regeln im Internet hat eine Welle der Empörung ausgelöst. Auch wenn für uns Sozialdemokraten klar ist, dass wir die individuellen Freiheitsrechte der Internet-Nutzer – also potenziell aller Bürgerinnen und Bürger – angemessen schützen müssen und diese  Debatte muss offen mit allen Beteiligten geführt werden muss, eines ist für uns auch unabdingbar:  Auch in der digitalen Gesellschaft bleibt der Schutz der Urheberrechte unverzichtbar. Klauen ist Klauen – egal ob im Laden oder im Netz. Denn die Künstler, Filmschaffenden, Forscher und sonstige Kreative müssen von ihrer schöpferischen Arbeit leben! Auch das ist Wert von Arbeit.

Mit ihrem Antrag zur Erleichterung der Voraussetzungen für den Bezug von ALG I hat die SPD-Bundestagsfraktion pünktlich zur Berlinale 2012 letzte Woche deutlich gemacht, wie wichtig ihr die soziale Absicherung der Filmschaffenden vor und hinter der Kamera ist. Statt wie bisher mindestens 12 Monate lang sozialversicherungspflichtig innerhalb von zwei Jahren gearbeitet zu haben, soll künftig dieser Zeitraum auf drei Jahre erhöht werden. In dieser Zeit können auch durch mehrerer kürzere Beschäftigungszeiten die erforderlichen 12 Monate gesammelt werden.

Dies wäre eine echte Verbesserung gegenüber der aktuellen Regelung, denn 80 Prozent der Filmschaffenden vor und hinter der Kamera sind nur tageweise beschäftigt und fallen zurzeit zu einem Viertel sofort auf das Niveau der Grundsicherung, obwohl sie in die Arbeitslosenversicherung einzahlen. Dazu zählen Schauspieler ebenso wie Tontechniker, Kostümbildnerinnen und viele andere Berufsgruppen im Filmgeschäft. Dafür möchte ich ganz persönlich Angelika Krüger-Leißner danken, die sich unermüdlich für die Belange der Filmschaffenden und für die Filmwirtschaft in Deutschland einsetzt. Sie wird auch künftig den neu eingerichteten Gesprächskreis Film beim SPD-Parteivorstand vorsitzen.

Und nun darf ich Frank-Walter Steinmeier das Wort geben und wünsche anschließend Ihnen und uns allen interessante Gespräche, Einblicke in die Fotokunst von Jim Rakete und einen bewegenden Filmabend!

Vielen Dank!

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