Sigmar Gabriel

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SPD-Parteivorsitzender

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Sigmar Gabriel

Grußwort zum 9. SPD-Filmabend zur Berlinale 2012

- Es gilt das gesprochene Wort -


Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Film- und Kinofreunde,

seien Sie alle ganz herzlich willkommen im Willy-Brandt-Haus zum 9. SPD-Filmabend zur Berlinale 2012. Ich freue mich, dass – wie im letzten Jahr – wieder so viele den Weg – und diesmal sogar über den roten Teppich – zu uns gefunden haben.

Der heutige Film „Die Vierte Macht“ ist in der Tat ein filmisches Ereignis der Extraklasse. Der Film verknüpft aktuelle Themen und Ereignisse wie kein anderer: Medien, Demokratie, Macht- und Menschenrechte, aber eben auch - wie es sich für ein Politthriller gehört - Mut, Polit, Gefühle, Furcht und Freundschaft.

Lassen Sie mich am Anfang den Regisseur des Films herzlich begüßen: Dennis Gansel – schön, dass Sie hier sind und vielen Dank,  dass Sie nach dem Film noch ein wenig mit uns diskutieren werden!

Ganz persönlich bin ich neben Dennis Gansel allen dankbar – vor allem den Produzenten Nico Hofmann, Nina Maag und Thomas Peter Friedl – die dazu beigetragen haben, dass wir den Film heute hier zeigen können. Ich freue mich aber auch, dass große Teile der Crew des Filmes heute da sind – vor allem der Darsteller des Fotografen Dima, Max Riemelt!

Mit dem Film „Die Vierte Macht“ kehrt Dennis Gansel zurück zu seinen Wurzeln als Schöpfer von eminent politischen Filmen. Er packt diesmal einen Stoff an, der hauptsächlich außerhalb Deutschlands spielt und schickt seinen Hauptdarsteller Moritz Bleibtreu sozusagen in den kalten Osten – nach Moskau!

Der Film ist eine absolute Premiere. Denn er kommt erst am 1. März in die deutschen Kinos. Und schon von daher sind wir stolz, heute das „Berliner Premierenkino“ sein zu dürfen.

Der Film hat die Rolle von Medien zum Thema, aber nicht nur. Er ist zugleich eine persönliche Spurensuche eines Journalisten zum Leben und Wirken seines toten Vaters.

„Die vierte Macht“ richtet einen Blick in das politische Zentrum Russlands – einen, über den zu diskutieren sich sicher lohnt.

Bei uns in Deutschland steht das Begriffsduo „Vierte Macht“ eigentlich für „Vierte Gewalt“ – und das sind bei uns die Medien. Aber wenn hier von „Macht“ die Rede ist, dann ist es auch so gemeint. Denn dieser Film vermittelt ein zwiespältiges Bild von dieser „Macht“, die, das zeigt der Film eindrucksvoll, in Moskau eben etwas anderes ist als in Berlin.

Was dieser Film aber vor allem zeigt, sind die Menschen auf allen Seiten, wo es um Macht, aber auch um Gewalt im eigentlichen Wortsinne geht. Er zeigt aber eben klar und unmissverständlich, dass Macht und Menschenrechte herrschende Themen und Begriffe in diesem Jahrhundert sind und bleiben werden.

Lassen Sie mich zum Schluss eine persönliche Anmerkung machen: Filme wie „Die Vierte Macht“ zeigen, dass Kulturschaffende oftmals Seismographen der Gesellschaft sind, in dem sie relevante Probleme aufgreifen und künstlerisch verdichten oder durch einen Perspektivenwechsel Aufmerksamkeit erregen. Damit ergreifen sie Partei und erregen auch Anstoß.

Wir in der Politik geraten bei diesen Anstößen gelegentlich ins Stolpern in unseren gewohnten Formen der Befassung mit dem Alltag in unserer Gesellschaft. Aber ich glaube, dass dieses „Stolpern“ durch die Auseinandersetzung mit Künstlern und kulturellen Prozessen oder Kunstwerken eigentlich eine wichtige Hilfe für uns ist. Denn darin besteht die Chance, sich nicht mit dem zufrieden zu geben, was wir manchmal schon als „normal“ empfinden, was auch uns schon als „nicht veränderbar“ erscheint oder von dem wir meinen, es ginge uns nichts an.

Der Umgang zwischen Künstlerinnen und Künstlern mit uns Politikerinnen und Politikern und Parteien nicht unbefangen. Angst vor Indienstnahme, Vereinnahmung und die Skepsis gegenüber dem ehrlichen Engagement in der Politik findet sich unter ihnen genauso stark wie im Rest der Gesellschaft.

Wir Sozialdemokraten wissen um diese Skepsis – auch uns gegenüber. Wir wissen, dass die Zeiten von Willy-Brandt und einem ganz engen und von gemeinsamen Zielen, Werten und Sehnsüchten geprägten Verhältnisses zwischen großen Teilen der Kulturschaffenden und der SPD längst durch mancherlei Enttäuschungen oder manchmal auch nur durch die Realitäten des politischen Alltagsbetriebs nicht so schnell wieder kommen.

Aber wir wollen unseren Teil dafür tun, dass die Steine, die uns Künsterlinnen und Künstler in den Weg legen, von uns als tägliche Erinnerung daran empfunden werden, das Springen nicht zu verlernen. Notfalls auch über den eigenen Schatten. Und sich nie damit abzufinden, wie wir angeblich leben müssen, sondern immer wieder darüber nachzudenken, wie wir leben wollen – und dafür dann auch genug zu tun.

Noch mal zurück zur Politik: Freiheit und Demokratie sind Güter, die Begeisterung wecken. Die andere ermutigen und anstecken. Deshalb sind sie bei den Mächtigen und Despoten dieser Welt so gefürchtet. Und deshalb schauen wir so voller Spannung, Hoffnung und Sympathie dorthin, wo Menschen für ihre Rechte, ihre Freiheit, für Demokratie und Gerechtigkeit eintreten – egal ob in Ägypten, in Syrien, in Russland und anderswo. Friedliche Proteste genießen unsere volle Unterstützung!

Und damit sind wir aber doch wieder mitten in Deutschland und Europa. Denn Meinungsfreiheit, Menschenrechte, eine Demokratie und Rechtsstaatlichkeit – das sind noch immer die wichtigsten Exportgüter unseres Kontinents! Deshalb ist Europa auch mehr als der Euro und deshalb lohnt es sich, um dieses Europa zu kämpfen. Um eines, das für alle Menschen in Europa und an jedem Ort in Europa Freiheit, Demokratie und die Chance auf ein gelungenes Leben zu bieten hat. Das auch nur an einem Ort Europas zu verlieren, würde viel mehr kosten und uns viel teurer zu stehen kommen, als jeder noch so große Rettungsschirm. Es steht mehr auf dem Spiel als der griechische Staatshaushalt.

Uns allen wünsche ich einen spannenden, bewegenden und mitreißenden Filmabend. Ich selbst bin auch gespannt! Vielen Dank noch einmal, dass Sie alle gekommen sind!

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